Zeiss – Betriebswirtschaft vor Menschlichkeit

Hallo ihr Lieben,

die Meisten von euch wissen ja nun schon, dass ich ein doch erheblich eingeschränktes Sehvermögen habe, damit aber bisher immer sehr gut zurecht gekommen bin. Familie, Kinder, Alltag, Berufsleben, alles kein Problem für mich. Ich habe sehr gut gelernt, mit meinem Handicap zu leben und habe daraus auch nie eine große Sache gemacht, weil ich einfach ganz normal behandelt werden wollte und durch die mir zur Verfügung gestellten Hilfsmittel immer sehr gut versorgt war..

Vor gut 6 – 8 Wochen aber passierte etwas, dass meine Zuversicht und meine recht gute Einstellung zu meiner Sehbehinderung gehörig ins Wanken geraten lies und womit ich im Leben nicht gerechnet hatte.

Lange Jahre hatte ich, aufgrund meiner unveränderten Werte, auf eine neue Brille verzichtet. Meine Letzte habe ich mir im Jahr 2009 machen lassen. Nun verabschiedete sich aber langsam die Brillenfassung und so wurde ich bei meiner Augenärztin vorstellig, um mir ein Rezept für den Optiker zu holen. Soweit, so gut, bis dahin kein Problem.

Die erste Brille passte hinten und vorne nicht was daran lag, dass mir die Augenärztin falsche Werte aufgeschrieben hatte. Als sie mir nun die Werte aufschrieb, die auf meinem alten Brillenpass zu lesen waren und auch diesmal die Brille nicht passte, bzw. ich nicht annähernd so gut damit sehen konnte, wie mit meiner jetzigen Brille, war guter Rat auf allen Seiten teuer, bis ich auf die Idee kam, mal bei meinem alten Optiker nachzufragen der, wie sich dann herausstellte, ein paar entscheidende Informationen auf dem Brillenpass unterschlagen hatte.

Mit dieser Erkenntnis stürzte sich meine Optikerin nun in die Bestellung, telefonierte mit Zeiss, weil noch immer etwas unklar war und kam dann mit einer sehr sehr schlimmen Nachricht für mich wieder zu mir.

„Es tut mir leid Frau Kilgus, Ihre Gläser werden von Zeiss nicht mehr aus Kunststoff hergestellt, Sie müssen künftig auf mineralische Gläser zurückgreifen“ BÄMMM
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Mir schwirrte alles Mögliche durch den Kopf von – Die verarscht mich doch, bis hin, dass das gerade nur ein schlechter Traum ist- Beides traf nicht zu. Es war, bzw. ist die Realität.

Viele von euch werden jetzt sicher denken, was stellt die sich so an, es gibt ja schließlich andere Menschen die wesentlich schlimmer dran sind, ja, da habt ihr mit Sicherheit recht, doch für mich ist der Verlust dieses notwendigen Komforts im Alltag eine riesen große Misere.

Warum?

1. Wird die Brille mit mineralischen Gläsern doppelt so schwer sein (ca. so schwer wie eine Tafel Schokolade), was schon ein enormes Gewicht darstellt und durchaus auch schmerzen kann, besonders im Sommer, wenn eh alles verschwitzt ist und das Ding dann rutscht.
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2. Wird die Brille nun wieder sehr bruchanfällig sein. Wenn ich mir überlege, wie oft mir meine aktuelle Brille in der Woche runterfällt, weil ich sie einfach nicht gesehen habe….ich sehe mich schon wöchentlich zum Optiker marschieren, was eine extreme finanzielle Belastung wäre, da ich einen nicht zu knappen Eigenanteil zu leisten habe. Vor gut 30 Jahren, als ich noch mineralische Gläser hatte, ist mir nämlich genau das passiert und das kann ich so nicht wieder tragen.

Natürlich wäre ich nicht ich, wenn ich nicht sofort Hinz und Kunz in Bewegung gesetzt hätte und so recherchierte ich fieberhaft nach Alternativen, besprach mich mit der Optikerin die auch selbst nach anderen Glasherstellern und Möglichkeiten schaute und telefonierte mehrfach mit Zeiss, denen ich meine Lage detailliert schilderte, doch letztendlich war die Aussage immer die Selbe. Es gab in der Vergangenheit zu wenige Nachfragen nach den Gläsern, so dass sich das nicht für sie gelohnt hätte und sie wären auch nicht daran interessiert, eine Wiederaufnahme der Produktion anzustreben. Nach langem hin und her nannten sie mir dann noch halbherzig drei Adressen von anderen Glasherstellern, bei denen ich ja mal nachfragen könnte (was ich bereits getan hatte), andere Bemühungen mir zu helfen, wurden nicht unternommen, was mich doch ein wenig verärgert, verfügt doch gerade ein so großer Konzern über viele weltweite Kontakte, die mir vielleicht hätten helfen können. Aber ja, mein Anliegen brachte eben kein Geld, warum sollte man sich da für einen einzelnen Menschen in Not stark machen?! Betriebswirtschaftlich gesehen kann ich die Entscheidung durchaus verstehen, doch menschlich null und überhaupt nicht. Ab und an sollte man einfach mal mit dem Herzen handeln, auch wenn daraus evtl. ein kleiner Verlust entstehen könnte!

Mittlerweile habe ich die Hoffnung schon fast aufgegeben, eine einigermaßen akzeptable Lösung für mich zu finden und werde wohl in den nächsten Wochen die mineralischen Gläser (nicht bei Zeiss) bestellen müssen, doch ihr könntet mir noch einen großen Gefallen tun und meine Geschichte teilen. Gerne auf Facebook mit dem Hashtag #zeisshilftnicht und die FB Seite von „Zeiss besser sehen“ verlinken, damit die Herrschaften spüren, was sie mir und mit Sicherheit auch noch ein paar wenigen anderen Menschen, angetan haben.

Vielen Dank und liebe Grüße von Nicole