Schuluntersuchung

Hallo ihr Lieben,

am Mittwoch war es soweit, unsere große Laus hatte den Termin für Ihre Einschulungsuntersuchung. Als ich die Einladung dafür bekam, musste ich erst einmal mit dem Kopf schütteln, denn mit ihren 4,6 Jahren hat sich für mich der Gedanke, dass die Laus Ende des nächsten Jahres in die Schule kommen soll, nicht wirklich manifestiert.

Hier in Baden -Württemberg ist es üblich, dass die Kinder, die bis zum 30.09. 6 geworden sind, MUSS Kinder Sind, die bis Ende November KANN Kinder und da unsere Dame Mitte September geboren ist, ist sie eben tatsächlich schulpflichtig, so sie denn zu diesem Zeitpunkt die nötige Reife besitzt.

Wenn ich ehrlich bin, tue ich mir mit diesem Thema unheimlich schwer, denn Schule bedeutet, dass man einmal für sein Kind eine Entscheidung trifft, mit der es die nächsten Jahre leben muss. Wann ist der Richtige Zeitpunkt für den Schuleintritt, in welche Schule möchte ich mein Kind schicken, ist eine Privatschule sinnvoll? Viele Stunden habe ich nun schon damit zugebracht, die für und wieder abzuwägen, meine Laus zu beobachten und mit den Einschätzungen aus dem Kindergarten zu vergleichen, Oft keine Deckungsgleicheit zu finden und wieder zu überlegen. Schätzt man sein Kind als Mutter manchmal so anders ein? Sind die Einschätzungen aus der Kita nun richtig, oder die Eigenen? Aus heutiger Sicht sehe ich mein Kind in 1,5 Jahren jedenfalls noch nicht in der Schule, doch kann sich in dieser Zeit natürlich noch viel ändern.

Unsere Große ist, seit sie auf der Welt ist, eher der gemütliche Typ, was die meisten Entwicklungsschritte angeht. Sie war als Baby und Kleinkind eher von der sehr zufriedenen Sorte, was uns viele ruhige Nächte und wenig Diskussionen beschwerte, denn sie war mit fast allem zufrieden. So sah es auch im motorischen Entwicklungsprozess aus. Am Liebsten lag die Lausedame gemütlich auf dem Boden, im Bett oder auf unserem Schoß, ließ sich gerne tragen und hatte wenig Lust, ihre Umwelt zu erkunden. Erst mit 18 Monaten änderte sich das langsam und sie lernte zu laufen. Ich fand das nicht weiter tragisch und vertraute meinem Gefühl, dass eben jedes Kind sein eigenes Tempo hat, auch wenn ich von allen Seiten nur noch zu hören bekam *ja was ist denn da los, sollte sie denn nicht längst laufen können? Na das ist aber eine faule! Du solltest sie unbedingt einem Arzt vorstellen. Sogar der Kinderarzt machte irgendwann Panik und verschrieb Krankengymnastik, mit dem Ergebnis, dass sie hinterher noch immer nicht laufen konnte. Auch hier war ich nicht beunruhig denn ich spürte, dass sie einfach ihren einen Kopf hatte und erst dann laufen wollte, wenn sie selbst das für richtig hielt.

Sprachlich sah es da ganz anders aus. In dieser Beziehung scheint die Laus mein Naturell geerbt zu haben, denn sprechen konnte sie recht früh und machte dabei so immense Fortschritte, dass sie innerhalb kürzester Zeit einen so enormen Wortschatz drauf hatte, dass ich manchmal nur staunen konnte. So beobachtete ich sie z. B. eines Mittags einmal, als ich sie aus der Kita abholen wollte, wie sie einige ihrer (noch recht stummen) Kameradinnen um sich geschart hatte und ihnen Verse vorsang und dazu die typischen Handbewegungen machte, die sie im Kindergarten gelernt hatte. Mit einem solchen Elan und grammatikalisch richtigen Sätzen hatte ich nicht gerechnet und musste glatt eine Träne verdrücken, weil ich so von ihrem Selbstbewusstsein angetan war.

Nun müssen aber diese zwei Seiten irgendwann mit einander harmonieren und dafür war nun die Schuluntersuchung anberaumt um festzustellen, wie der momentane Stand ist.

Die Frau vom Gesundheitsamt empfing uns sehr nett. Sie nahm sich sehr viel Zeit für die Laus und begegnete ihr mit sehr viel Feingefühl, so dass unsere Große bereitwillig alle ihr gestellten Aufgaben mit ihren Möglichkeiten erfüllte. Bei den Tests (Bewegung, Sehen, Sprache, malen, Mengen einschätzen) kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass unsere Laus eben zwei Seiten hat. Zum Einen ist da die Sprache, mit der sie sehr gut umgehen kann, wortgewandt ist und auch keine Schwierigkeiten damit hat, Phantasiewärter richtig wiederzugeben etc. und zum Anderen sind da Bewegungsaufgaben, die dann nicht so leicht zu meistern sind. Auch Mengen rein durch Sichtkontakt ohne zu zählen, rein durch den Blick zu erfassen, bereitet ihr noch etwas Mühe. Laut den Untersuchungsergebnissen ist aber soweit alles noch im grünen Bereich und bedarf lediglich noch etwas Förderung durch den Kindergarten und uns als Eltern.

Es bleibt also weiterhin spannend und sollte ich das Gefühl haben, dass meine Laus mit diesem Tempo bis zum eigentlichen Einschulungstermin nicht klar kommt, werde ich sie vermutlich ein weiteres Jahr im Kindergarten lassen damit sie die Möglichkeit bat, ihre Fähigkeiten noch etwas zu erweitern, was im normalen Schulalltag ja nicht mehr so gut möglich ist.

Wie liefen bei euch die Untersuchungen ab? Deckten sich eure Einschätzungen mit denen der Kita, oder ist das ein allgemeines Elternproblem? Ich bin gespannt auf eure Berichte! Ich freue mich über Antworten auf FB, hier oder per Mail.

LG von Nicole

  • Marona

    Interessant, ich wusste gar nicht, dass die Kinder bis Ende November „kann“ Kinder sind.
    Von unserer Kita kommt diesbezüglich gar nix und ich kam noch nicht dazu mir Gedanken zu machen.
    Beim kleinen Herrn B. ist es ähnlich, wie bei der Laus. Er ist interessiert und vor allem sprachlich super drauf, aber ich weiß nicht, ob er mit den Anforderungen (Stillsitzen, über längere Zeit konzentrieren,…) schon zurecht käme. Immerhin ist er ein Ende Oktober Kind.. Spannend ist es allemal…

    LG, Marona 😉

    • Alltagstipps

      Hey Marona,

      Jaaa, spannend ist es auf alle Fälle! Mit dem Stillsitzen ist es hier auch nicht weit her, dafür hat die Dame hier momentan einen sehr extremen Bewegungsdrang, doch etwas Zeit bleibt ja Gott sei Dank noch 🙂

      LG von Nicole

  • Jasmin

    Bei uns ist es so, dass die Kinder, die bis zum 30.6. des Jahres 6 werden, Muss-Kinder sind, alle danach Kann-Kinder. Meine Große ist ein Muss-Kind letztes Jahr gewesen ubd die Einschulungsuntersuchung findet hier in Bremen, erst kurz vor der Einschulung statt. Rückstellungen sind in Bremen nur selten möglich …

    • Alltagstipps

      Hallo Jasmin,

      na das ist ja dann schon sehr streng, wenn Rückstellungen schwer möglich sind. Ich bin schon froh, dass es hier etwas lockerer scheint, wenngleich ich hoffe, dass die Laus on den verbleibenden 1,5 Jahren noch einen deutlichen Schritt macht.

      LG von Nicole

  • Anke

    Hallo Nicole!
    Eine Schuluntersuchung so früh und so weit weg von der tatsächlichen Einschulung durchzuführen, finde ich etwas merkwürdig. Bei uns (in NRW) werden die Kinder erst 3-4 Monate vor der tatsächlichen Einschulung beim Gesundheitsamt untersucht. Vorher gibt es noch eine Begutachtung durch den Kinderarzt, der die Kinder ja durch die U-Untersuchungen und Behandlungen bei den Kinderkrankheiten schon etwas besser kennt. Dazu gibt es noch die Sprachstandserhebung mit 4 Jahren (den DELFIN-Test) im Kindergarten und natürlich regelmäßige Entwicklungserhebungen in den Kindergärten, mindestens jährlich, meist jedoch halbjährlich. Diese Entwicklungsbeobachtungen durch die Erzieherinnen sind standardisiert und werden nach der Beobachtungswoche durch die Bezugserzieherin intensiv mit den Eltern besprochen. Relativ direkt nach der Anmeldung der Kinder in der jeweiligen Grundschule findet auch hier eine erste Schultauglichkeitstag statt, an dem die Kinder auch die zukünftige Schule und ihre Lehrer schon kennenlernen können, aber auch erste Tests gemacht werden.
    Eine Rückstellung eines sogenannten „Muss“-Kindes ist nicht einfach nur die Entscheidung ihrer Eltern. Da kann man sie nicht einfach „ein Jahr weiter im Kindergarten lassen“. Da das Schulamt die ersten 2 Schuljahre als Erprobungsphase ansieht, würde das Kind eher eingeschult werden und müsste dann vielleicht eines der ersten 2 Jahre 2 Mal machen. Ich habe Kinder erlebt (da ich beim Jugendamt arbeite), die erheblich grob- und feinmotorische Entwicklungsverzögerungen hatten und einen Sprachschatz, der kaum beim 3-Wort-Satz angekommen war und die trotzdem eingeschult wurden. Die bekamen dann Unterstützung und zusätzliche Förderung, aber ein Verbleib im Kindergarten war nicht möglich.
    Meine Große wurde mit 5 Jahren eingeschult (sie wurde dann relativ direkt 6) und ist jetzt in der 3. Klasse. Sie war total heiß auf die Schule, hatte nie Probleme aufgrund ihres Alters und ist eine der Klassenbesten. Sie hatte auch eher motorische Probleme, deshalb geht sie seit der 1. Klasse jede Woche reiten und turnen.
    Die Kleine ist mit 6 Jahren eingeschult worden und das war eigentlich viel zu spät. Aber sie hat im Mai Geburtstag und eine Einschulung 1 Jahr früher hätte rein körperlich nicht funktioniert – sie hätte den Tornister nicht tragen können. Aber dadurch, dass sie ja schon Alles von der großen Schwester mitlernte, ist jetzt das 1. Schuljahr langweilig für sie.

    Ich würde an Deiner Stelle wirklich versuchen, die Dinge, die Deiner Großen noch etwas schwer fallen, intensiv zu fördern und sie ganz klar auch in Deiner Haltung darauf vorzubereiten, dass sie nächstes Jahr in die Schule kommt.

    Liebe Grüße
    Anke

    • Alltagstipps

      Liebe Anke,

      ganz herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und die wirklich tollen Erklärungen! Ich finde es hier in BW etwas arg früh mit den Untersuchungen und würde es auch besser finden, wenn sie, wie bei euch, später stattfinden würden, aber es nützt ja nichts